Aktuelles aus der Bonifatiusschule Hannover

Energiesparprojekt an der Bonifatiusschule

Ein Energiesparprojekt im unsanierten Altbau von 1902? Ist das überhaupt eine pädagogisch sinnvolle Aktion? Seit Jahren beteiligen sich wechselnde Klassen der Bonifatiusschule am Klimaschutz- und Energiesparprojekt der Stadt Hannover, einem Bestandteil des hannoverschen Klimaschutzprogramms "Klima-Allianz 2020". Mit Hilfe außerschulischer Energiemanager, der Lehrkräfte und Schulhausmeister/ innen untersuchen die Schülerinnen und Schüler den Energieverbrauch im Gebäude und planen Maßnahmen zu Energiesenkung.

Nur bei uns in unserem schönen alten Haus von 1902: immer wieder der Frust, dass kaum ein Spareffekt nachweisbar ist, die gemessenen Verbrauchswerte zeigen immer nur geringfügige Schwankungen. Konsequenz: Lassen wir „es bleiben“? Ändern wir den Schwerpunkt?

So wurde in diesem Jahr überlegt, den Schwerpunkt auf „Energiebildung“, diesen wichtigen Aspekt „nachhaltiger Erziehung“ zu legen. Wenn schon in unserem alten Haus aufgrund fehlender Baumaßnahmen, vieler nachmittäglicher und abendlicher Nutzer, die nur schwer einzubinden sind, und alter Anlagen kein Spareffekt zu erzielen ist, dann ist es trotzdem gut, dass die Kinder lernen, ihr Verhalten weiter zu entwickeln, denn Energie sparen kann man ja bekannter Weise nicht nur im Schulhaus.

So machte sich in diesem Schuljahr die Klasse 4b unterstützt von ihrer Klassenlehrerin, einer außerschulischen Energiemanagerin und dem Hausmeister der Schule auf den veränderten Energiesparweg. Natürlich stand auch das Erheben der Werte im Schulhaus am Anfang (ich weiß nicht, wie oft mich die „Energiesparkommissare“ mit ihren Messgeräten in meinem Dienstzimmer aufgesucht haben – was zumindest bei mir den Effekt brachte, dass ich auch beim schnellen Verlassen des Raumes nun Heizung und Fenster im Blick habe). Dann durfte natürlich die Auseinandersetzung mit den Quellen, der Gewinnung und Nutzung der Energie und den Überlegungen, wo und wie wir – theoretisch – sparen können, nicht fehlen. In der Klasse wurden Aufgaben für einen neuen Klassendienst, den „Energiedienst“ definiert (Fensteröffnungen, Überwachung der Heizung und der Raumtemperatur) und der Dienst nahm seine Arbeit auf. Irgendwann musste er dann auch die Überwachung der CO2-Ampel übernehmen: Dieses Gerät misst den Sauerstoffanteil in der Raumluft und beginnt bei sinkendem Sauerstoffanteil – Stufe Gelb – mit dem Ausstoß eines sich steigernden akustischen Signals. Und wenn das Leuchtsignal unterstützt von einem penetranten akustischen Signal auf Rot sprang, sprangen auch mindestens drei Energiesparer auf, drehten die Heizungen ab und öffneten die Fenster. Das waren dann doch irgendwann zu viel der häufigen Unterrichtsstörungen und der Energiedienst überwacht nun nach dem Abstellen des akustischen Signals nur noch die „Ampel“ und fragt leise an, ob die Fenster jetzt geöffnet werden sollen.

Dann kam der „Praxisteil“ für alle in der Schule – und der hat nicht nur der 4b viel Spaß gemacht. Ein Energiesparplakat wurde entworfen und für alle Klassen der Schule hergestellt. Die Schülerinnen und Schüler der 4b haben alle Klassen besucht, das Hinweisplakat überbracht und für die Einrichtung eines Energiedienstes und die Teilnahme am Energiequiz geworben. Parallel dazu stellte die Klassenlehrerin der 4b in der Dienstbesprechung das Projekt vor, damit die Umsetzung auch mit der Unterstützung aller Lehrkräfte gelingen kann.

Energiesparen umfasst noch viel mehr als den Blick auf Heizung und Beleuchtung. So entwickelte die Klasse 4b ein Energiesparquiz zum „ökologischen Fußabdruck“. Bewusst sollte dieses Quiz „Passt dein Fuß auf unsere Erde?“ zu Hause bearbeitet werden mit Hilfe der Eltern, um auch diese „mit ins Boot“ zu holen. Originalton einer Mutter in einem üblichen „Treppengespräch“: „Das ist aber eine tolle Aktion, die die Kinder hier machen. Und besonders toll ist, dass wir zu Hause jetzt davon auch noch profitieren können.“ Kinder und Eltern setzten sich mit Anregungen auseinander wie: „Ich achte darauf, dass die Türen zu weniger geheizten Räumen nicht lange offen stehen. – Wasser erhitzen wir mit Wasserkocher, nicht auf dem Herd. – Wenn ich mich einseife, stelle ich das Wasser aus. – Wir kaufen Lebensmittel, die jetzt gerade in der Nähe wachsen. – Gut erhaltene Kleidung und gut erhaltene Spielsachen verkaufe oder verschenke ich.“ Gekennzeichnet wurde mit J und L und anschließend konnten die Kinder herausfinden, ob sie noch ein „Klimaplattfuß“ oder schon eine „Klimaballerina“ sind. Alle Rückmeldungen hatten die Möglichkeit, an der Verlosung von Buch- und Spielepreisen teilzunehmen, die die Kinder der 4b bei unserem Winteraustreiben im März mit viel Freude und mit vom Förderverein finanzierten Preisen durchführten.

Für uns Lehrkräfte steht nun noch die Verankerung eines solchen Ansatzes im Schulprogramm aus, für die Kinder der 4b im Religionsunterricht die Behandlung des Themas Schöpfung und hier insbesondere der Aspekt der Bewahrung der Schöpfung. Freuen können sich die Schülerinnen und Schüler auf jeden Fall über eine Teilnahmehonorierung von 2€ pro Kind der Schule, ggf. auch über eine Einsparprämie (was ja, wie gesagt, bei uns immer nicht gut klappt) und vielleicht in Zukunft auch einmal über einen der Preise, die die Stadt Hannover jährlich vergibt.

Felizitas Teske, Rektorin Bonifatiusschule Hannover