Soziales Lernen & Gewaltprävention in der Bonifatiusschule Hannover

Dort, wo Menschen zusammen leben und arbeiten, gibt es immer wieder unterschiedliche Meinungen, Auseinandersetzungen und Konflikte. Wichtig ist es nicht, diese zu vermeiden, sondern Kindern ein „Instrumentarium“ an die Hand zu geben, das ihnen hilft, mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Konflikte gehören zum Zusammenleben, Gewalt nicht.

Schule muss Kinder in ihrer Persönlichkeit stärken. Starke Kinder greifen weniger zu Gewalt, haben kaum tätliche Auseinandersetzungen - sie können ihre Konflikte eher verbal lösen. Konflikte entstehen oft durch unbeabsichtigte Verletzungen, auf die Kinder impulsiv reagieren. Wir machen Kindern diesen Mechanismus von Aktion und Reaktion deutlich. Die Kinder lernen, ihre Impulse besser zu kontrollieren und so die Spirale der Gewalt nicht weiterzudrehen. Häufig sind beide Beteiligte sowohl Täter als auch Opfer und haben eine völlig unterschiedliche Sichtweise und Darstellung ein und desselben Vorfalls.

Wir leiten die Kinder an, deutliche Stoppsignale zu übermitteln, wenn ihnen ein Spiel zu weit geht und es ihnen nicht mehr gut dabei geht. Wir üben Gesprächsmöglichkeiten ein, die Kindern helfen, ihre Befindlichkeit zu äußern, ihre Beschwerde dem Gegenüber deutlich zu machen und zu formulieren, was sie nicht möchten und wie sie ihr Verhalten zukünftig ausrichten wollen. Hier benötigen einige Kinder mehr Hilfen der Lehrkräfte, andere können Konflikte auch bald gut miteinander klären.

Für verhaltensauffällige Kinder, die diesen Regelungsmechanismen nicht zugänglich sind, suchen wir professionelle Hilfe von außen.

Gewaltprävention im Schulalltag

Als katholische Grundschule sind wir ausgerichtet auf das christlich–humanistische Menschenbild, auf grundlegende Werte im Miteinander wie Toleranz und Rücksichtnahme. Als '"Verlässliche Grundschule“ garantieren wir personelle Kontinuität (z. B. beim gemeinsamen täglichen Frühstück von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften: auch hier ist Zeit zur unmittelbaren Aufarbeitung von Konflikten). So schaffen wir einen Rahmen, der von gegenseitigem Vertrauen und Geborgenheit geprägt ist.

Kontinuierlich erteilter Religionsunterricht im Klassenverband bietet besonders die Möglichkeit, grundlegende Werte bewusst zu machen. Wir fördern die Bewusstmachung und Beachtung grundlegender Werte in jeglichem Unterricht durch die Einübung von auf Partner/innen und Gruppen ausgerichtete Unterrichts- und Sozialformen und Freiarbeitsangeboten. Unsere Schulregeln setzen Normen des Miteinanders.

Tägliche Rituale (Morgenkreis) und wiederkehrende gemeinsame Erlebnisse (z. B. Geburtstagsfeiern, Feiern im Jahreskreis, Schulgottesdienste) stärken die Selbstsicherheit und tragen zu einem Wir-Gefühl bei. Bewegungselemente im täglichen Ablauf schaffen „Ventile“. Durch die Gestaltung des Pausenhofes (Trennung in einen Raum zum Fußballspielen, Räume für andere Möglichkeiten bewegter Spiele, Rückzugsräume), der Flure (Spiele) und der Klassenräume wurde eine Voraussetzung dafür geschaffen, dass Kinder sich an unserer Schule wohl fühlen.

Ab Klasse 2 wird einmal in der Woche ein Klassenrat abgehalten. Hier lernen die Kinder nicht nur, ihre Probleme zu äußern und zu bearbeiten. Sie lernen auch spielerisch, ein Gespräch zu leiten und auf Zeiten und Störungen zu achten. Probleme, die die gesamte Schülerschaft oder größere Teile betreffen, werden im Schülerrat bearbeitet.

Jährlich wiederkehrende Übungsphasen mit einer Gewaltpräventionstrainerin

Jede Klasse hat in jedem Schuljahr die Möglichkeit, mit einer Gewaltpräventionstrainerin zu arbeiten. Hier lernen die Kinder noch einmal gezielt, sich über eigene Befindlichkeiten klar zu werden, diese zu .... Um die täglichen Bemühungen um ein gewaltfreies Miteinander zu unterstützen, erhält jede  ....äußern und zu anderen Kindern in Beziehung setzen zu können. Die Arbeit eines jeden Jahrgangs orientiert sich an den jeweiligen Schwerpunkten:

  • Jahrgang 1: Den eigenen Platz in der Gruppe finden
  • Jahrgang 2: Sich an Regeln halten
  • Jahrgang 3: Anforderungen von außen begegnen
  • Jahrgang 4: Ausblick auf Neues

Die für unsere Schule durchgeführten Evaluationen haben die vorherrschende Schülermeinung zu Tage gefördert, dass sich die Kinder an unserer Schule sicher fühlen.

Den eignen Platz finden

Es soll eine Gruppe entstehen, in der jedes Kind seinen sicheren Platz hat.
Maßnahmen, die Sicherheit geben:

  • verlässliches Lehrerverhalten
  • Ankomm - und Anfangsrituale
  • gemeinsames Frühstück
  • Regeln für den Unterricht (umsichtiges Bewegen im Klassenraum, Gesprächsregeln)
  • verlässlicher Wechsel von Arbeits - und Entspannungsphasen
  • Umgangsregeln
  • Kennenlernen der Mitschüler und Mitschülerinnen
  • Sicherheit im Umgang mit den Arbeitsmaterialien
  • Auskennen im Schulhaus
  • Kennenlernen der wichtigen Personen
  • Abschlussrituale

Konflikte werden gemindert durch:

  • Schulung zur Wahrnehmung der eigenen Person und der anderen Personen
  • Schulung zur Wahrnehmung der eigenen Gefühle und der der anderen

Sich an Regeln halten

In den wöchentlich dafür vorgesehenen Stunden soll mit den Kindern ein Katalog von Klassenregeln erarbeitet werden. Diese auf die individuelle Klassensituation abgestimmten Regeln sollen sich auf das Arbeitsverhalten und das Zusammenleben im Klassenverband beziehen. Themenbezogene Geschichten, Spiele und Nachspielszenen sollen zum Verständnis der Regeln beitragen und die Notwendigkeit der Einhaltung der Regeln für die Kinder deutlich machen. Ein solcher Regelkatalog könnte wie folgt aussehen:

  • Wir hören unseren Lehrerinnen, Mitschülerinnen und Mitschülern zu und lassen sie ausreden.
  • Wir melden uns leise und stören den Unterricht nicht durch Zwischenrufe.
  • Bei Partner - und Gruppenarbeiten flüstern wir.
  • Beim schriftlichen Arbeiten sind wir ruhig und stören unsere Nachbarinnen und Nachbarn nicht.
  • Wir erledigen unsere Klassendienste selbstständig und gewissenhaft.
  • Wir halten unseren Arbeitsplatz in Ordnung und räumen Material fort.
  • Wir helfen uns gegenseitig.
  • Wir lösen Konflikte mit Worten.

Nach der gründlichen Erarbeitung der Klassenregeln sollten diese auf einem Plakat aufgeschrieben werden, von allen Kindern der Klasse unterschrieben und dann im Klassenraum aufgehängt werden.

Briefkasten und Klassenstunde

In jeder Klasse sollen die Kinder im Verlauf einer Woche in Form von Eintragungen in ein Tagebuch oder in Form von schriftlichen Mitteilungen in einem „Briefkasten“ positive und negative Rückmeldungen zu bestimmten Ereignissen geben können. Diese Mitteilungen werden dann in der „Klassenstunde“ besprochen und geklärt. Ob eine solche Besprechung aktueller Themen am Anfang oder am Schluss einer Klassenstunde stehen soll, muss sich aus der konkreten Klassensituation ergeben.

Anforderungen von außen begegnen

Umgang mit Leistung/Zensuren

  • Transparenz der Leistungsbewertung
  • Diskretion über die Leistungen der Mitschüler und Mitschülerinnen
  • z.B. Spiel mit Zensuren
  • fiktive Zensurenvergabe
  • Wahrnehmung eigener und der Gefühle anderer
  • Gefühlskärtchen
  • Gefühlsbarometer
  • Stimmung durch Farben und Instrumente darstellen
  • Gefühle des anderen (Opfer) im aktuellen Konflikt betrachten
  • Rollenspiele/ Geschichten/ Bilder
  • Umgang mit Ärger und Wut (Impulskontrolle)

Ich - Stärkung (Selbstwert)

  • Selbsteinschätzung und Selbstwahrnehmung
  • Ich - Botschaften - Was hat mir gefallen
  • Was hat mich gestört
  • Was wünsche ich mir
  • Wer bin ich/Ich bin so wie ich bin.
  • Umgang mir Frustration (Misserfolg/Enttäuschung)

Kommunikation

  • aktives Zuhören (Hörverstehen)
  • Zuhörspiele
  • Gesprächsführung / Gesprächsregeln
  • Gesprächskultur
  • Gesprächsphasen
  • Grundelemente von gewaltfreier Kommunikation
  • (siehe Ich - Botschaften)
  • Giraffensprache (Sprache des Herzens)
  • Wolfssprache (provoziert Aggression)
  • Schimpfwörter / Alternativen zu verletzenden Worten suchen

Ausblick auf Neues

Geschlechterrollen - Findung/ Vorpubertät

  • Einschätzen und erkennen lernen: Was sind gute bzw. schlechte Gefühle für mich
  • Wie viel Nähe, wie viel Distanz möchte ich zu jemandem haben
  • Ich kann mich selber annehmen – dadurch kann ich auch andere erst annehmen und Akzeptanz entwickeln.
  • „Mädchen - /Jungenzeit“: Zeit, die in gleichgeschlechtlicher Gruppe genutzt werden kann

Umgang mit Leistungsdruck

  • Hilfestellungen für Schüler und Schülerinnen: Anleitung zu Entspannungstechniken (Angstbewältigung), positive Bestärkung
  • Hilfestellungen für Eltern: Information und Beratung durch Fachleute (schulexterne), Austausch mit „erfahrenen“ Eltern kann Ängste und Unsicherheiten verringern und so zu einer Entlastung der Kinder führen.

Vorbereitung auf den neuen Lebensabschnitt

  • Ehemalige Schüler/innen zum direkten Gespräch über Organisation und Inhalte der verschiedenen Schulformen einladen;
  • Verschiedene weiterführende Schulen besuchen: Irreführende Vorstellungen können vermieden, Ängste vor dem Unbekannten verringert werden, indem der direkte Kontakt schon vor dem Übergang hergestellt wird.

Ich - Stärkung durch Bewältigung einer neuen Situation bzw. Anforderung (eventuell auch in außerschulischem Rahmen): Anleitung zum bewussteren Wahrnehmen der eigenen Stärken, Vertrauen in die eigenen Kapazitäten unterstützen